UNSEREN MANDANTEN WEGE AUFZUZEIGEN, UM WIEDER EINEN SINN IM LEBEN UND EINE SINNERFÜLLTE ROLLE IN UNSERER GESELLSCHAFT ZU FINDEN, IST GRUND UND ANTRIEB FÜR UNSERE TÄGLICHE ARBEIT.


Wenn alles zuviel wird – ein Erfahrungsbericht

Niemals hätte ich gedacht, dass mich eine derartige Achterbahnfahrt erwarten würde, als ich Anfang 2014 eine befristete Stelle als Allrounderin antrat. Ich freute mich, endlich aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen und setzte natürlich auch grosse Hoffnungen in eine anschliessende Festanstellung. Dies geschah allerdings nicht – zum Glück!

Nicht nur das Umfeld, sondern auch diverse andere Punkte stimmten für mich überhaupt nicht. Aber aus Angst wehrte ich mich nicht und liess alles schweigend über mich ergehen. Zuhause weinte ich oft oder lag völlig erledigt auf dem Sofa. Ich redete mir immer wieder ein, dass der Job doch gut sei, ich mich anstrengen und zeigen muss, dass ich kein Versager bin. Dann behalten sie mich vielleicht endlich. Mein Körper zeigte mir mit deutlichen Signalen, dass alles zu viel war. Ich versuchte die Zeichen zu ignorieren bis zum Tag X, an dem mir so dermassen schwindlig und schlecht war, dass ich völlig erschöpft nach Hause ging und unterwegs beinahe noch die Treppe runterfiel. Die Diagnose „Burn Out“ erhielt ich erst sechs Monate später, als andere Ursachen ausgeschlossen werden konnten.

Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses – ich arbeitete trotz Erschöpfung im Homeoffice weiter – ging ich im Anschluss in eine Klinik, wo ich vier Monate blieb und endlich Zeit fand mit allen Dingen aufzuräumen, die ich schon seit Jahren vor mich hinschob. Rückblickend betrachtet musste es so kommen und ich bin froh um diese Erfahrung.

Im November 2015 kam ich dann für ein Aufbautraining in die Minira. Zu Beginn arbeitete ich fünf Tage die Woche mit einer Präsenzzeit von 4 Stunden. Anfangs analysierte ich hauptsächlich meine Interessen, meine Stärken und meine bisherigen beruflichen Erfahrungen. Daneben gab es auch Aufgaben wie zum Beispiel Gedächtnistraining, die für alle Mandanten identisch sind. Als Ausgleich konnte ich mich im Atelier oder in der Werkstatt kreativ austoben.

An der Minira schätze ich vor allem, dass sie mir eine Struktur gibt und meinen Selbstwert stärkt. Ich kann mich gezielt darauf vorbereiten, wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Dabei helfen mir auch der Austausch mit anderen Mandanten und die gegenseitige Akzeptanz. Jeder hat seinen Rucksack zu tragen und keiner soll sich deswegen schlecht fühlen. Zum ersten Mal darf ich ehrlich sein und sagen, wie es mir geht. Mit meiner Bezugsperson und der IV stehe ich in regelmässigem Austausch.

Dank der Unterstützung der Minira und der IV Stelle Zürich kann ich nun einen Arbeitsversuch im ersten Arbeitsmarkt absolvieren. Ich freue mich riesig auf die neue Herausforderung und den neuen Schritt in Richtung Eigenständigkeit.